Jetzt wird durchgestartet – MarktTreffs bauen mit viel Energie
K i e l MT 08.05.2013 - Der lange Winter hat viele Baustellen lahmgelegt - dies gilt auch für die MarktTreffs in Heidgraben (Kreis Pinneberg) und Wester-Ohrstedt (Kreis Nordfriesland). Jetzt werden die Verzögerungen mit verstärkter Energie aufgeholt.
Rund 60 Gäste aus Politik, Verwaltung, von örtlichen Vereinen und interessierte Bürger lauschten einem launigen Bürgermeister Udo Tesch bei der Grundsteinlegung für den neuen MarktTreff Heidgraben: „Schnee und Frost haben die Arbeiten um etwa zweieinhalb Monate verzögert." Jetzt sei man sehr glücklich, dass endlich gebaut werden könne. Gesagt, getan - und so griff Udo Tesch bei der Grundsteinlegung selbst zur Maurerkelle. Denn für den Heidgrabener Bürgermeister ist der MarktTreff längst eine Herzensangelegenheit.
Das ambitionierte Bauprojekt beinhaltet einen Lebensmittelladen mit Backshop und Cafe, einen Frisör sowie einen Treff- und Veranstaltungsbereich. Für ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm hat Tesch die Heidgrabener AWO gewonnen. „Für die Gemeinde soll sich der MarktTreff zu einem zentralen Ort mit vielen Veranstaltungen entwickeln", so Tesch. Dazu gehört ebenfalls ein Marktplatz mit Raum für Marktstände. Das 2,2 Millionen Euro kostende Leuchtturmprojekt des Landes Schleswig-Holstein wird mit 750.000 Euro aus EU-Mitteln gefördert - die Eröffnung ist für Oktober 2013 geplant. Um diesen Termin halten zu können, hat das Stader Bauunternehmen Lindemann sein Handwerkerteam verstärkt.
Wer derzeit durch Wester-Ohrstedt fährt, sieht einen hohen Kran - und nach Feierabend flattert daran eine große MarktTreff-Fahne. Bürgermeister Wolfgang Rudolph ist ebenfalls zuversichtlich, was die Eröffnung des neuen Dorfzentrums angeht: „Die Bauarbeiten sind in vollem Gange und fast täglich können wir Fortschritte beobachten. Natürlich sorgt der starke Baustellenverkehr für einige Behinderungen. Die Bürger tragen es mit Fassung, denn alle freuen sich auf die Eröffnung zum 1. November 2013." In Wester-Ohrstedt sind ein Lebensmittelmarkt mit Bäckereiangebot, Filiale der Husumer Volksbank und Treffmöglichkeiten geplant.
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| Entwurfskizze des zukünftigen MarktTreffs in Schwesing |
Die Vorfreude ist auch in der Nachbargemeinde Schwesing groß, die für ihren MarktTreff mit dem inhaltlichen Schwerpunkt Treffpunkt jetzt vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume das O.k. für den vorzeitigen Baubeginn erhielt. Die Kosten werden insgesamt auf rund 580.000 Euro geschätzt, die Baugewerke vor allem an Firmen aus der Region vergeben. Bereits sehr aktiv ist der Verein „MarktTreff Alte Schule Schwesing". So informiert er auf der Internetseite www.markttreff-schwesing.de über den aktuellen Baufortschritt.
Was der lange Winter nicht geschafft hat, verdanken die Bürgerinnen und Bürger in Hohenfelde (Kreis Plön) einem zusätzlichen Lärmschutzgutachten: Die Einweihung ihres MarktTreffs wird sich auf Frühjahr 2014 verschieben. Bürgermeister Heiner Övermöhle sieht darin aber auch einen Vorteil: Der Multifunktionstreff für mehr als 100 Besucher könne dann problemlos auch nach 22 Uhr geöffnet werden. Insgesamt plant die Gemeinde ein mit 1,3 Millionen Euro kalkuliertes Projekt: Der MarktTreff wird aus zwei mit einer Glaspassage verbundenen Baukörpern bestehen. Im hinteren Bereich soll ein neuer Lebensmittelmarkt auf einer Verkaufsfläche von 350 Quadratmetern entstehen mit Backshop sowie Geldautomat mit Kontoauszugsdrucker der VR-Bank. Der Treff- und Veranstaltungsbereich bekommt eine Fläche von rund 280 Quadratmetern - für die Bauphase soll ein Einkaufsservice angeboten werden.
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Christina Pfeiffer, Projektkoordinatorin aus dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, sieht die Entwicklung optimistisch: „Die MarktTreffs, die zurzeit gebaut werden, ergänzen unsere Modellpalette in hervorragender Weise. Erstmals haben wir mit Wester-Ohrstedt und Schwesing eine interkommunale Kooperation dabei. MarktTreff bietet attraktive Nahversorgungsangebote für die Bürger und für Touristen und etabliert sich zunehmend als Impulsgeber neuer Entwicklungen in den Dorfkernen. Dazu zähle ich auch die Planung in Morsum auf Sylt." Dort werde das Muasem Hüs fit für die Zukunft gemacht: unter einem Dach Einkaufen, Bank, Gewerbe, Dienstleistungen, dazu ein Fahrstuhl und viele energetische Sanierungsmaßnahmen. „Sie sehen", betont Christina Pfeiffer, „die Gemeinden in Schleswig-Holstein arbeiten heute schon an den Themen von morgen." |
| Bürgermeister Sokoll (l.) und Rudolph aus Schwesing und Wester-Ohrstedt beim Spatenstich für das erste interkommunale MarktTreff-Projekt. |
Aktuelle Studie prophezeit
Renaissance der Tante-Emma-Läden
Kiel MT 24.04.2013 – Kleine Lebensmittelgeschäfte werden wieder an Bedeutung gewinnen. Der persönliche Kontakt zwischen Käufern und Kaufleuten – insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels – wird an Wertschätzung zunehmen. Dies sind Ergebnisse einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens KPMG und des GDI Gottlieb Duttweiler Institute, die sich mit der Zukunft des Einkaufens in Deutschland und der Schweiz beschäftigt haben. Auf der ermittelten Basis entwickeln die Verfasser vier Szenarien für das künftige Bild des Lebensmitteleinzelhandels und stellen zehn Thesen auf. „Die Studie bestätigt eindrucksvoll, dass wir mit dem Projekt MarktTreff bereits seit Jahren auf dem richtigen Weg sind", sagt Hermann-Josef Thoben vom schleswig-holsteinischen Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR).
Das Bild des Lebensmitteleinzelhandels in Deutschland und der Schweiz werde sich in den kommenden zwölf Jahren stark wandeln, heißt es in der jetzt veröffentlichten Marktanalyse. Während kleinflächige Geschäfte, Convenience-Shops und der Online-Handel gute Perspektiven haben dürften, sollten sich großflächige Supermärkte und Discounter auf härtere Zeiten einstellen. In die Studie flossen außer zahlreichen Daten Gespräche mit führenden Marktteilnehmern mit ein.
Wesentliche Ursachen für den zu erwartenden Umbruch im Lebensmitteleinzelhandel sind die Alterung der Bevölkerung, steigende Energiepreise sowie veränderte Ansprüche der Kunden an Gesundheit, Flexibilität und Internet-Anbindung. KPMG und GDI definieren vier Grundformen für den erfolgreichen Lebensmitteleinzelhandel der Zukunft:
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Small Mart: Lokale Läden („Tante-Emma-Läden") mit hoher sozialer und emotionaler Komponente, die zentral liegen und leicht zu erreichen sind.
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Smart Mart: Technologisch gut vernetzte Kunden nehmen ihre individualisierten Produkte an Einkaufs- oder Abholstellen selber in Empfang.
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All Mart: Große Läden, die bei niedrigen Logistikkosten ein umfangreiches und verändertes Sortiment anbieten, das konsequent auf Emotionalität ausgerichtet ist.
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Call Mart: Online-basierte Ladenkonzepte, die aufgrund niedriger Logistikkosten Kunden mit einem hohen Anspruch an Funktionalität flexibel beliefern.
Dazu sagt KPMG-Partner Stephan Fetsch: „Auch Discounter dürften es wegen ihrer Funktion schwer haben, sich in einem der vier von uns identifizierten Erfolg versprechenden Szenarien wiederzufinden. Besser sehen die Perspektiven für kleinflächige Geschäfte und Convenience-Shops aus, die sowohl emotional wie auch funktional überzeugen können und nicht unter hohen Logistikkosten ächzen."
Die Experten stellen zehn Thesen zur Zukunft des Lebensmitteleinzelhandels auf:
1. Online wird nicht Marktstandard: Der Online-Anteil im deutschen Food-Markt wird moderat bleiben. Die Bedürfnisse nach Verfügbarkeit und Spontanität überwiegen.
2. Nischenlösungen haben Umbruchpotenzial: Der Wunsch nach „sicheren" und authentischen Nahrungsmitteln steigt. Biolieferdienste und die Produktion direkt im Laden sind erfolgsversprechende Lösungen.
3. Einkauf um die Ecke gewinnt weiter an Bedeutung: Lebensmittel in der Nähe des Wohn- und Arbeitsorts und zu (fast) jeder Zeit einkaufen zu können, wird noch wichtiger.
4. Kommunikationskompetenz birgt Chancen: Läden können mit neuer Ladengestaltung und zusätzlichen Dienstleistungen neue Kommunikationsplattformen schaffen.
5. Mehr Schnittstellen zur Gastronomie: Im Handel wird das Sortiment zum Direktverzehr ausgebaut, umgekehrt bieten Gastronomen ausgewählte Lebensmittel zum Verkauf an.
6. Hypermarkt steht vor langsamem Abstieg: Online-Kanäle, immer teurere Mobilität und der Trend zu urbanem Wohnen sprechen gegen große Einkaufszentren auf der grünen Wiese.
7. Multifunktionale Ladenkonzepte bieten sozialen Mehrwert: Je nach Tageszeit unterschiedlich nutzbare Ladenflächen werden sukzessive an Bedeutung gewinnen.
8. Kunden- und Mitarbeitergesundheit sind Erfolgsfaktoren: Für den Lebensmitteleinzelhandel wird es wichtig werden, das Thema Gesundheit über das Angebot „gesunder" Produkte hinaus konzeptionell auszuweiten.
9. Emotionalität ist wichtiger als Effizienzoptimierung: Emotion ist der stärkste Wettbewerbsvorteil im Effizienzwettbewerb. Erlebnisse und Kontakte entsprechen den Bedürfnissen der Kunden.
10. Individualisierung des Genusses mit Flagship-Stores: Während standardisierte Produkte in die Online-Welt abwandern, werden in den Läden Flächen für Spezialitäten-Shops mit Naturprodukten frei.
Die Hinwendung zu Kleinflächen und zum Nahbereich, so KPMG und GDI in ihrer Studie, finde aktuell bereits bei vielen Handelsunternehmen statt und werde sich weiter fortsetzen. Je stärker dieser Trend von den Konsumenten in Verbindung mit einer Rückbesinnung auf das Tante-Emma-Format vergangener Jahrzehnte gebracht werde, desto stärker würden unabhängige Kaufleute oder auch nachbarschaftliche Communities die Entwicklung prägen.
„Mit den demografischen Trends, dem Trend zu mehr Convenience, mehr Frische und mehr Regionalität sind ganz klar kleinflächigere Formate begünstigt", sagte Ernst Dieter Berninghaus, Mitglied der Generaldirektion Migros-Genossenschafts-Bund (die Migros-Gruppe ist das größte Einzelhandelsunternehmen der Schweiz mit rund 87.500 Mitarbeitern), den Studienverfassern. „Diese Formate sind convenience- und frische-lastig - Non-Food spielt dabei keine Rolle. Nähe und Erreichbarkeit gewinnen. Täglicher Einkauf beim Nahversorger ist ein Erlebnis an und für sich. Der Laden ist eine Begegnungsstätte."
Nach Überzeugung von GDI und KPMG werde der Lebensmitteleinzelhandels-Konsum im Jahr 2025 vordringlich durch die Kundensehnsucht nach Wärme, (Selbst-)Erfüllung und menschlicher Beziehung geprägt sein. Der Lebensmittelhandel in Deutschland und der Schweiz werde in Zukunft viel sozialer sein als heute. Im Zentrum stehe der individuell bekannte Kunde. Schlüssel zu ihm sei der kontinuierliche Dialog.
„Es gibt immer mehr ältere Leute, die einsamer werden. Das Einkaufen hilft, persönlichen Austausch zwischen Menschen zu fördern", so Roland Berner, Head of Strategy & Business Development, REWE Group, im Gespräch mit KPMG und GDI. „Die Langsamkeit, die Nähe und die persönliche Bekanntschaft werden wieder einen größeren Stellenwert im Lebensmitteleinzelhandel bekommen."
Aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland werde die Ladendichte abnehmen, schätzt Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels, die Entwicklung ein. Regionen, die heute noch über eine sehr gute Einzelhandelsstruktur verfügten, würden diese verlieren, weil die Einwohnerdichte nicht mehr gegeben sei. Auf dem Land entstünden neue Chancen für eine Bündelung von Service-Dienstleistungen mit Einzelhandelsfunktionen. Service- und Gesundheitszentren oder Arztpraxen, vielleicht auch nur temporär in Betrieb, zusammen mit Handelsleistungen.
Seinen eigentlichen Kompetenzvorsprung in Sachen Kundennähe müsse der stationäre Lebensmitteleinzelhandel laut KPMG und GDI dort unter Beweis stellen, wo er sein Alleinstellungsmerkmal habe: im Laden, in der direkten Beziehung zwischen Händler und Kunde, zwischen Käufer und Verkäufer. Dort liege einer der wichtigsten Gründe für die Renaissance des Nachbarschaftsladens: Er biete eine persönliche Beziehung, die keiner der anonymen Anbieter im Netz oder auf der grünen Wiese bieten könne. Eine Erfahrung, die Referatsleiter Hermann-Josef Thoben aus dem MELUR bestätigt: „Die große Kundennähe, die soziale Kompetenz und die Bereitschaft, in vielen Situationen zu helfen, zeichnet die Kaufleute im MarktTreff-Projekt seit langem aus."
KPMG ist ein weltweites Netzwerk rechtlich selbständiger Firmen mit 152.000 Mitarbeitern in 156 Ländern. In Deutschland gehört KPMG zu den führenden Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen.
Das GDI Gottlieb Duttweiler Institute gilt als ältester Think-Tank der Schweiz und beschäftigt sich seit 1963 mit den Themenfeldern Konsum, Handel und Gesellschaft.
Mit der Zukunft des Handels beschäftigt sich auch „brand eins" als Schwerpunktthema. Das Wirtschaftsmagazin beleuchtet in seiner April-Ausgabe zahlreiche aktuelle Facetten des Themas und entsprechende Entwicklungen.
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