MarktTreff zieht erfreuliche Jahresbilanz:
36 Gemeinden setzen auf neue Wege in der Nahversorgung

K i e l  MT 06.07.2016 – Die jährliche Bereisung der 36 MarktTreff-Standorte von der dänischen Grenze bis an die Elbe endet mit einer positiven Bilanz: „Das Modell der Bündelung funktioniert. Die Betreiber und Gemeinden passen ihre Angebote an die Marktbedingungen an. Zugleich gibt es vielfältige Neuentwicklungen“, resümiert Christina Pfeiffer aus dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR) die Ergebnisse. Das Beraterteam der ews group und der BBE Handelsberatung hat gerade in vielen Einzelgesprächen die wirtschaftliche Lage, die Zufriedenheit in den Gemeinden mit der wohnortnahen Versorgung sowie Zukunftsprojekte ermittelt und diskutiert. Dabei standen auch Fragen nach mobilen Versorgungsangeboten im Fokus.

 

Ingwer Seelhoff von der ews group bestätigt Pfeiffers Einschätzung: „Die MarktTreffs behaupten sich im schwierigen Wettbewerb. Nur durch konsequentes Arbeiten an vielen Stellschrauben und mit viel Innovationskraft gelingt es den multifunktionalen Dorfzentren, sich zu behaupten und für die Dörfer so wichtige Angebote präsentieren zu können.“ Neu sei die erfolgreiche Etablierung von Genossenschaften, Beiräten und begleitenden Bürgergremien: „Diese Instrumente unterstützen die Betreiber und Gemeinden in ihrer Arbeit. Finanzierungen werden angeschoben, Akteure werden koordiniert, Veranstaltungen werden durchgeführt.“ Ziel sei es, für das Angebot des wohnortnahen Einkaufens verstärkt zu werben. „Das Jahresmotto 2016 ‚Mein Einkauf bleibt im Dorf!' bringt diese Haltung auf den Punkt. Unsere Aufkleber, Plakate und Einkaufs-Gutscheine mit dem Motto sind rege nachgefragt worden“, ergänzt Seelhoff.

 

 

Die wirtschaftliche Entwicklung im Berichtszeitraum des Jahres 2015 spiegelt sich in Zahlen folgendermaßen wider: 16 zeichneten sich im Jahr 2015 durch ein stabiles Ergebnis aus, fünf Betreiber erzielten sogar eine Steigerung bei Umsatz und Ertrag. In einer Phase des Auf- und Umbruchs sind zehn Standorte, da sie derzeit ihren Betrieb starten oder neu ausrichten. In kritischer Lage sind vier Standorte – aus unterschiedlichen Gründen von Liquiditätsproblemen bis Personalkosten. Nur ein Standort ist derzeit geschlossen – mit zäher Dynamik bei der Neuentwicklung.

 

Die Gemeinden wissen um die Bedeutung der MarktTreffs für die Entwicklung der Gemeinde und sind bereit, ihre MarktTreffs nach Kräften zu unterstützen“, ergänzt Martin Schramm von der BBE Handelsberatung. Allerdings: Einige Standorte haben altersbedingt langjährige Stammkundinnen und -kunden verloren: „Wenn fünf bis zehn gute Kunden plötzlich fehlen, die ihre gesamten Einkäufe im MarktTreff gedeckt haben, macht sich das im Jahresergebnis bemerkbar", fügt Schramm hinzu. Künftig müsse man intensiver junge Familien für den Einkauf im Dorf gewinnen. „Denn viele MarktTreffs bieten zu wettbewerbsfähigen Preisen an. Und die Fahrtkosten in die nächste große Stadt können zusätzlich gespart werden.“

 

Ein besonderes Augenmerk ist bei der aktuellen Bereisung auf die Aspekte Mobile Nahversorgung und Mobilität gelegt worden. Christina Pfeiffer zum Hintergrund: „Unser Ziel ist die verstärkte Vernetzung mobiler und stationärer Versorgungsangebote. Deshalb interessiert uns der Status in den Gemeinden.“


Das Ergebnis ist nicht überraschend: Die Anzahl der mobilen Verkaufswagen hat weiter abgenommen, viele der besuchten Gemeinden werden überhaupt nicht mehr von Verkaufswagen angefahren. In Borgstedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) arbeitet man an einem „Gegenmodell“. Hier fördern zwei AktivRegionen die Modernisierung eines mobilen Lieferservice in Kombination mit einem stationären Angebot sowie Treff in einer Bäckerei: „Das ist eine Umsetzung unseres Masterplan Daseinsvorsorge. Der mobile Verkaufswagen beliefert künftig auch den im Bau befindlichen MarktTreff in der Nachbargemeinde Sehestedt. Und in der Bäckerei wird das Sortiment ausgebaut“, erläutert Amtsvorsteher Gero Neidlinger – so spanne man ein kluges Versorgungsnetz in der Region.

 

Öffentliche Nahverkehrsmittel beschränken sich überwiegend auf wenige Verbindungen am Tag mit Schulbussen oder Shuttledienste zu nahen Schnellbuslinien. Eine Besonderheit stellt die Gemeinde Ladelund dar: Hier sind zwei BürgerBusse im Linienverkehr sowie ein E-Mobil als Rufbus im Einsatz. Das Modell mit fast 40 ehrenamtlichen, ausgebildeten Fahrerinnen und Fahrern ist mittlerweile bundesweit publiziert worden und findet Nachahmer.

 

Einige MarktTreff-Gemeinden wollen zudem das Konzept der „Mitfahr-Bank“ ausprobieren – an einer Bank zeigt der Fahrtwillige per Pfeil das gewünschte Ziel an und hofft auf einen anhaltenden PKW zur Mitnahme. „In Jörl haben wir eine ‚Jörler Runde' gebildet, die Aktivitäten in die Gemeinde bringt. So schaffen wir durch Veranstaltungen Bewusstsein für den MarktTreff-Einkauf. Die ‚Mitfahr-Bank‘ ist ebenfalls ein interessantes Projekt für uns und würde am MarktTreff angesiedelt“, schwärmt Bürgermeisterin Silke Hünefeldt aus der Gemeinde im Amt Eggebek.

 

Veränderung gehört bei dem „lernenden Projekt“ MarktTreff ebenfalls dazu: So hat die Gemeinde Christiansholm (Kreis Rendsburg-Eckernförde) ihr ehemaliges MarktTreff-Gebäude verkauft und baut jetzt ein neues Modell am Feuerwehrhaus auf – tatkräftig unterstützt von einer verjüngten Spitze des hiesigen MarktTreff-Vereins. In Munkbrarup (Kreis Schleswig-Flensburg) hängt ebenfalls ein Verkaufsschild am MarktTreff-Gebäude – einst soziales Vorzeigeprojekt mit Feriencamps, wird hier über Möglichkeiten der Fortsetzung eines MarktTreffs noch diskutiert.

 

Die Bereisung fand im Mai und Juni 2016 unter dem Einfluss der aktuellen Flüchtlingsthematik statt. An vielen Standorten war es erfreulich zu hören, dass die Aufnahme und Betreuung der Menschen über die Ämter, sozialen Träger und Kommunen gut geregelt ist. Freiwillige Angebote von engagierten Bürgern wie Erstkontakte, Deutsch-Unterricht und Begleitung von Behördengängen gehören dazu. Obgleich die „eigentliche Integration" noch bevorsteht. Immer mehr Gemeinden arbeiten daran, auch in diesem Zusammenhang „Kümmerer" im Dorf zu installieren, die breitgefächert Ansprechpartner für Bürgerinnen und Bürger sein sollen und pragmatisch Lösungswege vermitteln.

 

 

 


Bundes-Jury nahm Gemeinde Rantrum unter die Lupe –
Auszeichnungen für MarktTreffs Brodersby und Rantrum

R a n t r u m / B r o d e r s b y  MT 24.06.2016 – Es ist ein bisschen so, als ob der Bus des Nationalteams auf den Vorplatz der Rantrumer Eventhalle rollt – abgetönte Scheiben, auffällige Beklebung. Doch die macht deutlich, wer da kommt: die Bundesbewertungskommission des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“. Drei Stunden lang nahm jetzt die Jury die Siegergemeinde des schleswig-holsteinischen Landes-Wettbewerbs unter die Lupe, dabei auch den MarktTreff, der gerade vom Handelsverband Nord ausgezeichnet wurde. Ebenfalls auf der Bundesebene präsent: der MarktTreff Brodersby, in dem die Poststelle Jubiläum feierte und mit einer Urkunde geehrt wurde.

 

Ein Chor Rantrumer Kinder begrüßte die Bundesjury vor der Eventhalle, in der Bürgermeister Horst Feddersen im Gespräch mit zahlreichen ehrenamtlich Aktiven und Unternehmern aus der Gemeinde die Vorzüge und kontinuierliche Entwicklung des heute rund 1.900 Einwohner zählenden Dorfes in Nordfriesland erläuterte. Auf einer Rundfahrt durch Rantrum besichtigte die Jury Landschaftsflächen, Kindergarten und MarktTreff. Dort erläuterte Betreiber Michael Otto der zwölfköpfigen Bewertungskommission die Idee und Umsetzung des Multifunktionszentrums. Vor einer Abschlussrunde in der Eventhalle zogen die „North Frisian Pipes & Drums“, eine Rantrumer Dudelsack-Band, die Jurymitglieder in ihren Bann.

 

 

Juryvorsitzender Elmar Hemke, Bürgermeister von Sommerach im bayerischen Landkreis Kitzingen, mochte verständlicherweise kein abschließendes Urteil wagen, gab den Rantrumern aber mit auf ihren weiteren Weg: „Sie spielen bereits in der Champions League – wir nehmen den Eindruck dieses tollen Gemeinschaftsgeistes der Rantrumer Bürger mit.“

 

 

Bis zum 7. Juli ist die Bewertungskommission noch in 13 deutschen Bundesländern unterwegs, um sich jeweils vor Ort von den 33 Kandidaten-Gemeinden ein Bild zu machen. Anschließend wird verkündet, welche erfolgreichen Kommunen mit Gold-, Silber- und Bronzemedaillen ausgezeichnet werden. Nach der Silbermedaille für Rantrum im Jahr 2001, hofft die Gemeinde nun natürlich auf eine goldene Auszeichnung. Der Bundeswettbewerb steht unter Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck, die Siegerehrung soll im Januar 2017 in Berlin stattfinden. Bereits jetzt hätten die Rantrumer mehrere Busse reserviert, heißt es, um in der Bundeshauptstadt mit vielen Bürgerinnen und Bürgern dabei zu sein ...

 

Generationenfreundliches Einkaufen in Rantrum

 

Wenige Tage nach dem Jury-Besuch wurde dem MarktTreff in Rantrum bereits eine Auszeichnung verliehen: Der Topkauf-Laden von Michael Otto wurde mit dem Qualitätszeichen für generationenfreundliches Einkaufen des Handelsverbands Nord (HV Nord) ausgezeichnet. Der Lebensmittelmarkt erfüllt alle Kriterien, die der Handelsverband bundesweit für generationenfreundliche Handelsunternehmen definiert hat. Dabei geht es um messbare Kriterien, die das Einkaufen für Kunden jeden Alters mit und ohne Handicap so angenehm wie möglich machen.

 

„Wir freuen uns über diese Auszeichnung, denn wir sind wirklich ein Markt für Jung und Alt“, sagt Otto. „Egal ob sie mit dem Kinderwagen, dem Rollator oder dem Rennrad unterwegs sind - alle sind willkommen. Bei uns wird keiner gehetzt – wir nehmen uns Zeit.“ Michael Otto nahm die Urkunde entgegen, die HV Nord Geschäftsführerin Monika Dürrer für das erfolgreiche Bestehen der Zertifizierung überbrachte. „Bei der Überprüfung der Geschäfte achten wir zum Beispiel auf breite Gänge, helle, angenehme Beleuchtung, rutschfeste Böden, gut lesbare Schriften, Übersichtlichkeit und eine gute Orientierung im Geschäft sowie Ablageflächen an Bedientheken und im Kassenbereich, damit es auch hier zügig und bequem geht“, so Dürrer. „Und natürlich achten wir auch auf freundliches und hilfsbereites Personal. Schließlich sind es immer noch Menschen, die den Handel prägen.“

 

Markt-Treff und Post-Filiale in Brodersby: zwei Konzepte gehen auf

 

In Brodersby in Angeln bietet die Gemeinde seit vielen Jahren ihren Bewohnern und Touristen einen zentralen Ort zum Klönen und zur Grundversorgung: den MarktTreff. In ihm betreibt sie auch eine Filiale der Deutschen Post, die jetzt ihr 20-jähriges Bestehen feierte. Aus diesem Grund zeichnete die Deutsche Post ihren Filialpartner mit einer Urkunde und einer eigens für das Jubiläum konzipierten Briefmarke „20 Jahre Filial-Partner“ für die gute Zusammenarbeit aus.

 

 

Post-Jubiläum in Brodersby: Magda Lüdrichsen, Bürgermeister Bernd Blohm, Vertriebsmanager Helge Gramkow und Hilke Hansen-Schulz (v. l. n. r.).   Magda Lüdrichsen (links) und ihre Kollegin Hilke Hansen-Schulze sind seit vielen Jahren für die Post-Kunden im MarktTreff Brodersby an der Schlei da.

 

„Hier wird Dorfgeschichte gemacht“, sagte Bernd Blohm, Bürgermeister in Brodersby, in seiner kleinen Ansprache zum 20-jährigen Bestehen der Postfiliale – und dabei schmunzelte er. Die Tische vor dem Posttresen im MarktTreff sind beliebt bei Dorfbewohnern und Touristen. Dort gibt es Kaffee, Brötchen und Kuchen und die neuesten Nachrichten aus dem Ort aus erster Hand. „Hinter dem Posttresen aber herrscht absolute Verschwiegenheit“, betont Blohm die vorbildliche Einhaltung des Postgeheimnisses durch die beiden Mitarbeiterinnen Magda Lüdrichsen und Hilke Hansen-Schulz am Schalter.

 

Die Post-Filiale in Brodersby ist eine von rund 13.200 Partner-Filialen der Deutschen Post bundesweit. Eröffnet wurde sie 1996 zunächst im Dorfmuseum, zog dann 2007 in den neuen MarktTreff. „Hier in Brodersby fällt mir besonders das Persönliche auf“, so Helge Grambow, Vertriebsmanager der Deutschen Post, „für jeden gibt es ein persönliches Wort.“