Starker Ortskern mit MarktTreff und neuer
„Mühle der Begegnungen“:
Ministerpräsident Albig lobt Großsolt als Vorbild
für zukunftsfähige Dörfer

G r o ß s o l t  MT 02.08.2016 – Wie eine Gemeinde zielstrebig einen neuen Ortskern entwickelt, davon machte sich Ministerpräsident Torsten Albig zum Auftakt seiner diesjährigen Sommertour in Großsolt (Kreis Schleswig-Flensburg) ein Bild. Gemeinsam mit Bürgermeister Wilfried Surrey eröffnete er offiziell die neue „Mühle der Begegnungen“, die direkt neben dem MarktTreff soziale und ehrenamtliche Angebote bündelt und mit rund 400.000 Euro EU- und Landesmitteln gefördert wurde. Albig zeigte sich begeistert von dem Projekt: In dem ehemaligen, jetzt sanierten Mühlengebäude und seinem modernen Anbau mit großer Glasfront – dem „Tagestreff an der Mühle“ – haben die Tagespflege der Sozialstation im Amt Hürup, Treffmöglichkeiten und ein kleines Dorfmuseum ihre Heimat gefunden.

 

Die Gemeinde Großsolt hat damit einen großen Schritt getan, erstmals ein wirkliches Dorfzentrum im Ortsteil Bistoft zu haben. Wie um einen Platz gruppieren sich nun die „Mühle der Begegnungen“, der bereits seit Jahren bestehende MarktTreff und Wohneinrichtungen für Senioren. Zudem ist in unmittelbarer Nähe das Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr. Ministerpräsident Albig beglückwünschte Bürgermeister Surrey und seine Gemeinde dazu, den Mut gehabt zu haben, ein solches Entwicklungsprojekt anzupacken und umzusetzen. Damit sei Großsolt ein Vorbild für die Gestaltung zukunftsfähiger Dörfer in Schleswig-Holstein.

 


MarktTreff zieht erfreuliche Jahresbilanz:
36 Gemeinden setzen auf neue Wege in der Nahversorgung

K i e l  MT 06.07.2016 – Die jährliche Bereisung der 36 MarktTreff-Standorte von der dänischen Grenze bis an die Elbe endet mit einer positiven Bilanz: „Das Modell der Bündelung funktioniert. Die Betreiber und Gemeinden passen ihre Angebote an die Marktbedingungen an. Zugleich gibt es vielfältige Neuentwicklungen“, resümiert Christina Pfeiffer aus dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR) die Ergebnisse. Das Beraterteam der ews group und der BBE Handelsberatung hat gerade in vielen Einzelgesprächen die wirtschaftliche Lage, die Zufriedenheit in den Gemeinden mit der wohnortnahen Versorgung sowie Zukunftsprojekte ermittelt und diskutiert. Dabei standen auch Fragen nach mobilen Versorgungsangeboten im Fokus.

 

Ingwer Seelhoff von der ews group bestätigt Pfeiffers Einschätzung: „Die MarktTreffs behaupten sich im schwierigen Wettbewerb. Nur durch konsequentes Arbeiten an vielen Stellschrauben und mit viel Innovationskraft gelingt es den multifunktionalen Dorfzentren, sich zu behaupten und für die Dörfer so wichtige Angebote präsentieren zu können.“ Neu sei die erfolgreiche Etablierung von Genossenschaften, Beiräten und begleitenden Bürgergremien: „Diese Instrumente unterstützen die Betreiber und Gemeinden in ihrer Arbeit. Finanzierungen werden angeschoben, Akteure werden koordiniert, Veranstaltungen werden durchgeführt.“ Ziel sei es, für das Angebot des wohnortnahen Einkaufens verstärkt zu werben. „Das Jahresmotto 2016 ‚Mein Einkauf bleibt im Dorf!' bringt diese Haltung auf den Punkt. Unsere Aufkleber, Plakate und Einkaufs-Gutscheine mit dem Motto sind rege nachgefragt worden“, ergänzt Seelhoff.

 

 

Die wirtschaftliche Entwicklung im Berichtszeitraum des Jahres 2015 spiegelt sich in Zahlen folgendermaßen wider: 16 zeichneten sich im Jahr 2015 durch ein stabiles Ergebnis aus, fünf Betreiber erzielten sogar eine Steigerung bei Umsatz und Ertrag. In einer Phase des Auf- und Umbruchs sind zehn Standorte, da sie derzeit ihren Betrieb starten oder neu ausrichten. In kritischer Lage sind vier Standorte – aus unterschiedlichen Gründen von Liquiditätsproblemen bis Personalkosten. Nur ein Standort ist derzeit geschlossen – mit zäher Dynamik bei der Neuentwicklung.

 

Die Gemeinden wissen um die Bedeutung der MarktTreffs für die Entwicklung der Gemeinde und sind bereit, ihre MarktTreffs nach Kräften zu unterstützen“, ergänzt Martin Schramm von der BBE Handelsberatung. Allerdings: Einige Standorte haben altersbedingt langjährige Stammkundinnen und -kunden verloren: „Wenn fünf bis zehn gute Kunden plötzlich fehlen, die ihre gesamten Einkäufe im MarktTreff gedeckt haben, macht sich das im Jahresergebnis bemerkbar", fügt Schramm hinzu. Künftig müsse man intensiver junge Familien für den Einkauf im Dorf gewinnen. „Denn viele MarktTreffs bieten zu wettbewerbsfähigen Preisen an. Und die Fahrtkosten in die nächste große Stadt können zusätzlich gespart werden.“

 

Ein besonderes Augenmerk ist bei der aktuellen Bereisung auf die Aspekte Mobile Nahversorgung und Mobilität gelegt worden. Christina Pfeiffer zum Hintergrund: „Unser Ziel ist die verstärkte Vernetzung mobiler und stationärer Versorgungsangebote. Deshalb interessiert uns der Status in den Gemeinden.“


Das Ergebnis ist nicht überraschend: Die Anzahl der mobilen Verkaufswagen hat weiter abgenommen, viele der besuchten Gemeinden werden überhaupt nicht mehr von Verkaufswagen angefahren. In Borgstedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) arbeitet man an einem „Gegenmodell“. Hier fördern zwei AktivRegionen die Modernisierung eines mobilen Lieferservice in Kombination mit einem stationären Angebot sowie Treff in einer Bäckerei: „Das ist eine Umsetzung unseres Masterplan Daseinsvorsorge. Der mobile Verkaufswagen beliefert künftig auch den im Bau befindlichen MarktTreff in der Nachbargemeinde Sehestedt. Und in der Bäckerei wird das Sortiment ausgebaut“, erläutert Amtsvorsteher Gero Neidlinger – so spanne man ein kluges Versorgungsnetz in der Region.

 

Öffentliche Nahverkehrsmittel beschränken sich überwiegend auf wenige Verbindungen am Tag mit Schulbussen oder Shuttledienste zu nahen Schnellbuslinien. Eine Besonderheit stellt die Gemeinde Ladelund dar: Hier sind zwei BürgerBusse im Linienverkehr sowie ein E-Mobil als Rufbus im Einsatz. Das Modell mit fast 40 ehrenamtlichen, ausgebildeten Fahrerinnen und Fahrern ist mittlerweile bundesweit publiziert worden und findet Nachahmer.

 

Einige MarktTreff-Gemeinden wollen zudem das Konzept der „Mitfahr-Bank“ ausprobieren – an einer Bank zeigt der Fahrtwillige per Pfeil das gewünschte Ziel an und hofft auf einen anhaltenden PKW zur Mitnahme. „In Jörl haben wir eine ‚Jörler Runde' gebildet, die Aktivitäten in die Gemeinde bringt. So schaffen wir durch Veranstaltungen Bewusstsein für den MarktTreff-Einkauf. Die ‚Mitfahr-Bank‘ ist ebenfalls ein interessantes Projekt für uns und würde am MarktTreff angesiedelt“, schwärmt Bürgermeisterin Silke Hünefeldt aus der Gemeinde im Amt Eggebek.

 

Veränderung gehört bei dem „lernenden Projekt“ MarktTreff ebenfalls dazu: So hat die Gemeinde Christiansholm (Kreis Rendsburg-Eckernförde) ihr ehemaliges MarktTreff-Gebäude verkauft und baut jetzt ein neues Modell am Feuerwehrhaus auf – tatkräftig unterstützt von einer verjüngten Spitze des hiesigen MarktTreff-Vereins. In Munkbrarup (Kreis Schleswig-Flensburg) hängt ebenfalls ein Verkaufsschild am MarktTreff-Gebäude – einst soziales Vorzeigeprojekt mit Feriencamps, wird hier über Möglichkeiten der Fortsetzung eines MarktTreffs noch diskutiert.

 

Die Bereisung fand im Mai und Juni 2016 unter dem Einfluss der aktuellen Flüchtlingsthematik statt. An vielen Standorten war es erfreulich zu hören, dass die Aufnahme und Betreuung der Menschen über die Ämter, sozialen Träger und Kommunen gut geregelt ist. Freiwillige Angebote von engagierten Bürgern wie Erstkontakte, Deutsch-Unterricht und Begleitung von Behördengängen gehören dazu. Obgleich die „eigentliche Integration" noch bevorsteht. Immer mehr Gemeinden arbeiten daran, auch in diesem Zusammenhang „Kümmerer" im Dorf zu installieren, die breitgefächert Ansprechpartner für Bürgerinnen und Bürger sein sollen und pragmatisch Lösungswege vermitteln.