MarktTreff in Sehestedt nimmt jetzt seinen Betrieb auf – zwei MarktTreff-Gemeinden auf der Grünen Woche 2017 präsent

S e h e s t e d t MT - 15.12.2016 - Lange geplant, einzigartige Lage, hochmoderne Architektur: Am Montag, dem 19. Dezember, beginnt in unmittelbarer Nähe zur Sehestedter Kanalfähre ein neues Zeitalter: Was bereits als ein außergewöhnlicher Imbiss mit Charme seit vielen Jahren eine große Fangemeinde hat, steigt nun als multifunktionales Dorfzentrum besonderer Qualität in eine andere Liga auf. Direkt am Nord-Ostsee-Kanal oberhalb des Fähranlegers positioniert, nimmt der MarktTreff Sehestedt Kreis Rendsburg-Eckernförde mit einem „Tag der offenen Tür" von 11 bis 19 Uhr seinen Betrieb auf.

 

Das neue Gebäude vereint nun unter einem Dach die Gastronomie von Wirt Holger Petersen, sowie ausgewählte Lebensmittel für den täglichen Bedarf, regionale Produkte und verschiedene Treffmöglichkeiten für die Dorfgemeinschaft. Der Imbiss bietet seinen vielen „Fans der Currywurst" und anderen Gästen jetzt einen phantastischen Blick durch bodentiefe Scheiben auf die langsam auf dem Nord-Ostsee-Kanal vorbeigleitenden Ozeanschiffe und Jachten. Die Außenanlagen wurden komplett umgestaltet, der MarktTreff selbst über eine neu gebaute Straße verkehrlich anders angebunden. Zudem werden in Sehestedt neue Ansätze der mobilen Nahversorgung erprobt. Mit seinem Konzept und der Umsetzung, sind sich Experten bereits heute sicher, wird der MarktTreff Sehestedt für Dorfbewohner, Touristen und Fachleute der ländlichen Entwicklung gleichermaßen zu einem Magneten werden.

 

 Fast ertiger MarktTreff in Sehestedt

MarktTreff Sehestedt mit Blick auf den Nord-Ostsee-Kanal

 

Akademie präsentiert herausragende Projekte in Berlin

 

Herausragende Projekte aus Schleswig-Holstein wird die Akademie für die Ländlichen Räume Schleswig-Holsteins e. V. (ALR) erneut auf der 82. Internationalen Grünen Woche 2017 in Berlin vorstellen. Das Bundesministerium

 

für Ernährung und Landwirtschaft hat die ALR zum zweiten Mal in Folge ausgewählt, sich stellvertretend für entsprechende Institutionen in anderen Bundesländern gemeinsam mit dem Forum ländlicher Raum - Netzwerk Brandenburg auf dem Messegelände unter dem Funkturm zu präsentieren. Vom 20. bis 29. Januar 2017 bietet die Akademie daher in der Halle 4.2 „Lust aufs Land" gelungenen Projekten und innovativen Lösungen eine Bühne in den Themenfeldern Bildung, Beteiligung und Gemeinschaft, die beispielgebend für die ländlichen Räume nicht nur im nördlichsten Bundesland sind. Auf dem Messestand werden Akteurinnen und Akteure aus den beiden Bundesländern unter dem Motto „Land bewegt!" Informationen zu verschiedenen Vorhaben geben und für Fachgespräche zur Verfügung stehen.

 

Offizielles Plakat für die IGW 2017

Das offizielle Plakat für die Grüne Woche 2017

 

So wurde die Gemeinde Großsolt aus dem Kreis Schleswig-Flensburg ausgewählt, ihre erfolgreiche Ortskernentwicklung in der Bundeshauptstadt Experten und der allgemeinen Öffentlichkeit vorzustellen. Bürgermeister Wilfried Surrey wird am Eröffnungswochenende die Vorgehensweise und Umsetzung des Konzeptes in Gesprächen erläutern. Die großflächige Gemeinde Großsolt besitzt seit Sommer 2016 erstmals einen tatsächlichen Dorfkern in ihrem Ortsteil Bistoft mit dem MarktTreff, der Feuerwehr-Station, der aus einer ehemaligen Mühle entwickelten „Mühle der Begegnungen", einem kleinen Dorfmuseum und der neu errichteten Tagespflege der Sozialstation im Amt Hürup: dem „Tagestreff an der Mühle".

 

 Innenbereich des MarktTreff Barkauer Land

MarktTreff Barkauer Land mit frischen Ideen der Bürgergenossenschaft

 

Die aktuelle Entwicklung und Veränderungen in einem etablierten MarktTreff-Standort werden Barbara Schröder aus Kirchbarkau (Kreis Plön) und Frank Jedicke, Vorstand der Bürgergenossenschaft Barkauer Land, erläutern. Während der energetischen Sanierung und Suche nach einem neuen Ladenbetreiber für den MarktTreff, hat die Gemeinde vor den Toren Kiels eine besondere Dynamik entwickelt. So wurde eine Bürgergenossenschaft gegründet, die selbst den Betrieb des Ladengeschäftes übernommen hat. Dies ist bereits die dritte genossenschaftliche Gründung im Rahmen von MarktTreff - außer den Standorten Heidgraben und Delve. Der Name der Genossenschaft ist dabei Programm. „Uns war wichtig, auch Nachbargemeinden aus dem Barkauer Land mit einzubinden und Menschen aus der Region für unser Projekt zu gewinnen", sagt Frank Jedicke. „Das ist ebenso gelungen wie der Neustart seit dem 1. Oktober 2016."

 

 


Wandel im Lebensmittelhandel fordert Dörfer heraus –
Erfahrungsaustausch der MarktTreff-Gemeinden in Hennstedt

H e n n s t e d t  MT 21.11.2016 – Aktuelle Fragen der Nahversorgung in Dörfern, zukünftige Versorgungsmodelle in ländlichen Räumen und Fördermöglichkeiten für die Dorfentwicklung standen im Fokus des jährlichen Erfahrungsaustausches, zu dem sich jetzt Bürgermeister, MarktTreff-Betreiber, Verwaltungsfachleute und AktivRegions- und Gemeindevertreter trafen. Die Veranstaltung mit über 50 Interessierten war dieses Mal eine Premiere: Erstmalig kamen die Teilnehmenden in Dithmarschen zusammen – im neuen, hochmodernen MarktTreff „Inne Merrn“ in Hennstedt mit seinem Kerngeschäft Gastronomie direkt gegenüber der historischen Dorfkirche.

 

Bürgermeisterin Anne Riecke erzählte zur Begrüßung, dass es ein steiniger Weg gewesen sei bis zur Eröffnung. Aber sie sei sehr überzeugt von dem Drei-Säulen-Modell des MarktTreffs, wodurch eine so vielseitige Veranstaltungsstätte in ihrer Gemeinde entstanden sei. Zudem ermögliche der Treffbereich verschiedenen Anbietern jetzt Sprechstunden – wie dem Dorfkümmerer Otto Beeck, dem Tourismusbüro oder der Volkshochschule sowie zum Beispiel dem Schachtreff einen Spielraum. „Da ist aber noch viel Luft nach oben, alles entwickelt sich Schritt für Schritt.“ 

 

Projektideen früh mit LLUR abklären

 

Christina Pfeiffer aus dem Referat ländliche Entwicklung im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR) brachte die Austauschteilnehmer auf den aktuellen Stand der Förderpraxis in der EU-Förderperiode 2014-2020. Leitprojekte der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) in dem Bereich Nahversorgung und Bildung werden durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die ländliche Entwicklung (ELER) gefördert. Von 14 Millionen Euro für Schleswig-Holstein seien noch rund 7,6 Millionen Euro bis 2020 als Fördermittel einsetzbar. „Sprechen Sie ihre Ideen und Anträge zu einem ILE-Projekt für die nächste EU-Förderrunde am besten vorab intensiv mit dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) durch, damit Sie einen bewilligungsreifen Förderantrag bis zum Stichtag 1. April 2017 einreichen können.“ Die Förderung pro Projekt könne bis zu 750.000 Euro betragen.

Fördermittel aus dem EU-Topf werden darüber hinaus auch für ILE-Leitprojekte zu den Themen Ländlicher Tourismus oder Erhaltung des kulturellen Erbes angeboten. Alle Informationen zu diesen Bereichen der EU-Förderung sind auf der Homepage der Landesregierung unter dem Suchbegriff „ILE-Leitprojekte“ zu finden.

 

     
Hennstedts Bürgermeisterin Anne Riecke begrüßte die Teilnehmenden am Erfahrungsaustausch der MarktTreff-Gemeinden.

 

  Christina Pfeiffer vom Ministerium erläuterte den aktuellen Stand der Fördermöglichkeiten von Projekten der ländlichen Entwicklung. 

     
Kaufmann Sven Lück schilderte pragmatisch die Rahmenbedingungen, um einen Laden erfolgreich zu betreiben.

  Wilfried Surrey, Bürgermeister aus Großsolt, berichtete über die erfolgreiche Ortskernentwicklung in seiner Gemeinde.
     
Barbara Schröder aus Kirchbarkau berichtete, warum sie sich für das Leben im Dorf entschieden hat und ein MarktTreff für sie unverzichtbar ist.
  Michael Kothe, im Bereich Standortsicherung der EDEKA Nord tätig, verdeutlichte aktuelle Trends im Lebensmittelgeschäft und Voraussetzungen für neue Standorte.

     
Im direkten Austausch (v. l. n. r.): Kaufmann Sven Lück, Stadums Bürgermeister Werner Klingebiel und Michael Kothe von der EDEKA Nord
  Intensiv wurde in der großen Runde im MarktTreff „Inne Merrn“ Hennstedt diskutiert.

     
Christina Pfeiffer (MELUR) und Michael Kothe (EDEKA Nord) erörterten zukunftsweisende Versorgungsmodelle.
  Heiner Ullrich (l.) aus Delve informierte sich bei Jan-Nils Klindt vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume.

     
Zwei Hennstedter: Themistokles Sidiropoulos (l.), Betreiber des Restaurants im MarktTreff, und Gemeindevertreter Henning Dethlefs.
  Oliver Ohm (BBE Handelsberatung, links) beantwortete die Fragen von Frank-Michael Tranzer, Bürgermeister von Oldenswort.

     
Maik Schultze, MarktTreff-Betreiber aus Wester-Ohrstedt, präsentierte Christina Pfeiffer aus dem Ministerium eine neue Idee: eine Uhr mit MarktTreff-Logo.   Gefragte Gesprächspartnerin: Barbara Schröder aus Kirchbarkau, wo jüngst der MarktTreff Barkauer Land in Trägerschaft einer Bürgergenossenschaft wieder eröffnet wurde.

 

Über ein weiteres Programm, eine Gemeinschaftsaufgabe des Bundes und der Länder (GAK), werden Fördermöglichkeiten zur Stärkung der Dorfkerne bereitgestellt. Die Förderbedingungen sind auf der Homepage des Landes unter dem Stichwort „GAK – Ortskernentwicklung“ dargestellt. Spätester Einreichtermin für die Anträge ist der 28. April 2017.

 
Zusätzlich gebe es, so Pfeiffer, noch „für die ganz Schnellen mit fertigen Konzepten" ein Sonderprogramm 2017 für die neue GAK-Maßnahme 9.0 „Einrichtungen für lokale Basisdienstleistungen“, bei der einmalig insgesamt 1,5 Millionen Euro für Projekte bereitgestellt würden. Die kompetenten Ansprechpartner seien auch hier die jeweils zuständigen Regionaldezernate des LLUR.

 

Sven Lück, MarktTreff-Betreiber aus Stadum und Edeka-Markt-Inhaber in Leck (Kreis Nordfriesland), stellte seine strategischen Überlegungen und programmatischen Tipps hinsichtlich Preisgestaltung, Sortimentsauswahl und Service bei einem kleinen Dorfladen vor. „Es funktioniert, da ich einen tollen Rückhalt in der Gemeinde bekomme. Ich gehe mit viel Idealismus an die Aufgabe heran, denn mir ist es sehr wichtig, dass es eine verlässliche Nahversorgung in Stadum gibt.“ Mit eigenem Lieferfahrzeug transportiert Lück Waren von seinem Hauptgeschäft zum MarktTreff. Da Service keiner bezahlen wolle, immer noch „Geiz ist geil“-Mentalität herrsche und die Ladengröße nicht eine Riesenauswahl an Produkten zulasse, sei es entscheidend, seine Kunden sehr gut zu kennen und entsprechend abzuwägen. Lücks Fazit: MarktTreff heißt: biete das richtige Produkt zum richtigen Preis mit vertretbarem Service an!

 

Versorgungsknotenpunkte in der Diskussion

 

Wie sich ein großer Lebensmittellieferant die Zukunft vorstellt, erläuterte Michael Kothe von der Standortsicherung und Expansion der Edeka Handelsgesellschaft Nord mbH. Hohe Investitionen flössen in die zukünftigen größeren Märkte, die sich in einem Einzugsgebiet mit mindestens 5.000 Einwohnern befinden müssten. Die ländlichen Räume mit kleinen Standorten im Blick zu behalten, sei da schwierig. „Uns schweben Versorgungsknotenpunkte vor – die dann mit mobilen Angeboten für das Umfeld ergänzt werden. Aber da muss die Landesplanung mitmachen. Viele kleine Läden in vielen Dörfern – das ist wirtschaftlich auf Dauer nicht tragbar.“ Auch Edeka beschäftige sich mit dem Online-Handel und entwickle dafür neue Angebote. Aber logistische und versorgungstechnische Probleme schränkten den Lieferservice noch stark ein.

 

Es werde nach weiteren Ideen gesucht und Alternativen bereits jetzt beispielsweise in Bayern ausprobiert mit einer sogenannten „emmasbox“. Diese Abholstation mit Kühlung für Lebensmittel könne auch für ländliche Räume im Norden interessant sein. Allerdings bediene das Modell nicht die soziale Komponente der kleinen Märkte – sich zu treffen wie in den MarktTreffs. Aber es lohne sich, die Idee weiter zu diskutieren und mitzuentwickeln, richtete Kothe einen Apell an die Teilnehmer, zu denen auch Dithmarschens stellvertretender Kreispräsident Norbert Zimmermann und Landtagsabgeordneter Karsten Jasper zählten.

 

Neues Bürgerengagement in Kirchbarkau

 

Dass ein Lebensmittelmarkt und Treffpunkt aber besonders wichtig für das Dorfleben ist, schilderte Barbara Schröder aus Kirchbarkau (Kreis Plön) eindrucksvoll. Voller Leidenschaft erzählte sie, dass ihre Familie nur deshalb vor 17 Jahren in dieses Dorf am Bothkamper See gezogen sei, weil sie sicher sein konnte, vor Ort einkaufen gehen zu können. Und damit dies so bleibe, machten sich jetzt viele Einwohner in der frisch gegründeten Bürgergenossenschaft und in einem ehrenamtlichen Helferkreis für die Idee stark. Der nach einem Umbau neu eröffnete MarktTreff Barkauer Land beweise, was möglich sei, wenn Bürger ihren sozialen Mittelpunkt behalten wollten. „Erst als der MarktTreff geschlossen war, merkten viele, was sie nicht mehr hatten. Die Möglichkeit sich untereinander zu treffen, fiel weg.“

 

Mit ihrem jetzigen Engagement seien viele Bürger ein Teil des neuen MarktTreffs geworden. Menschen packten selber mit an, bestückten den Laden, räumten die Regale ein und unterstützten auch mal an der Kasse. „Wir haben eine tolle Marktleiterin in unserem Dorf gefunden, die in ihre neue Aufgabe hineinwächst. Es ist durch die Genossenschaft ein starkes Wir-Gefühl entstanden.“ Und noch einen Vorteil sieht sie: „Kinder können beispielsweise den Umgang mit Geld lernen, da sie hier sehr schnell allein einkaufen gehen können und dadurch selbständiger werden – so wie meine damals.“  Das neue Bewusstsein darüber, wieviel Arbeitsaufwand in solch einem Dorfladen stecke, steuere auch das Einkaufsverhalten und stärke den MarktTreff.

 

In der Diskussion über die Planung zukünftiger MarktTreffs verwies Maik Schultze aus Wester-Ohrstedt darauf: „Wenn ihr baut, dann sucht euch als Partner erfahrene Architekten, die wirklich etwas davon verstehen. Gerade die energetischen Probleme und Herausforderungen einiger Gebäude – nicht zuletzt aufgrund der immer komplizierter werdenden Technik – können enorm sein, sodass ein reibungsloser Ladenbetrieb nicht gewährleistet werden kann.“

 

Großsolt besitzt erstmals einen Dorfkern

 

In Großsolt, einem knapp 1.800 Einwohner zählenden Dorf im Kreis Schleswig Flensburg, ist Bürgermeister Wilfried Surrey der Meinung, dass der dortige MarktTreff unverzichtbar ist für ein aktives Dorfleben. „Es ist ein auf und ab und wir zahlen bisher zu, aber es ist uns wichtig, dass der MarktTreff bleibt – und wir sind optimistisch, dass unser neuer Ortskern auch den MarktTreff stärken wird.“ Ausgehend vom MarktTreff engagierte sich die Gemeinde gezielt in der Dorfkernentwicklung. Mit Erfolg, obwohl das in einem Flächendorf keine leichte Aufgabe gewesen sei. „Wir haben in die Zukunft investiert mit unserem neuen Gebäudekomplex ‚Mühle der Begegnungen‘, der nun den MarktTreff vielseitig ergänzt.“ Integriert seien in die ehemalige Mühle und den angedockten Neubau Tagespflege, Dorfmuseum und offener Treff. Der jetzt erstmals entstandene echte Dorfkern in Großsolt werde durch altersgerechte Wohnungen und das Feuerwehrgebäude komplettiert. Bürgermeister Surrey: „Klasse ist, dass wir genügend Fläche haben, um anzubauen. Das rate ich jeder Gemeinde: Schaut euch um, welche Flächen ihr kaufen könnt, um euer Dorf zu entwickeln.“

 


 

INTERVIEW

 

„MarktTreff bleibt ein lernendes Projekt – das ist unsere Stärke“

 

Seit 1999 begleitet Christina Pfeiffer das Projekt MarktTreff federführend im Kieler Ministerium. Auf welchem Kurs sieht sie das deutschlandweit beachtete Nahversorgungsmodell derzeit? Im Interview gibt Pfeiffer Antworten.

 

Welche Bilanz ziehen sie für die Entwicklung der MarktTreffs im Jahr 2016?
Was ist für Sie dabei ein Highlight gewesen?

Christina Pfeiffer: Stolz dürfen wir insgesamt auf die Stabilität, auf die Krisenfestigkeit der MarktTreffs sein. Diese Resilienz, die Widerstandsfähigkeit unseres schleswig-holsteinischen Nahversorgungsmodells hat sich in vielen Situationen schon bewiesen. Auch stürmische Zeiten wurden bisher immer gemeinsam bewältigt.

Eine andere erfreuliche Entwicklung: Viele Jahre mochten sich MarktTreff-Gemeinden in Schleswig-Holstein mit dem Thema Genossenschaften nicht anfreunden. Andere Bundesländer waren uns da voraus. Nun aber scheint der Bann gebrochen – davon bin ich begeistert. Denn ich glaube, dass das Engagement unserer MarktTreff-Gemeinden und -Betreiber in der Regel schon außergewöhnlich hoch ist. Vielerorts gilt: Mehr geht nicht. Spielräume für mehr Engagement sehe ich noch bei den Bürgerinnen und Bürgern in den Dörfern.

 

Was raten Sie deshalb Gemeinden?

Christina Pfeiffer: MarktTreff gelingt, wenn alle an einem Strang ziehen: Gemeinde, Betreiber, Bürgerinnen und Bürger. Dafür haben wir aktuell gute Beispiele: Heidgraben im Kreis Pinneberg, Delve im Kreis Dithmarschen oder Kirchbarkau im Kreis Plön, wo im wiedereröffneten MarktTreff Barkauer Land erstmals eine Bürgergenossenschaft Betreiber eines MarktTreffs ist. Diese Gemeinden zeigen uns bei aller besonderen Individualität einen zukunftsweisenden Weg: Dorfgemeinschaften erfinden sich neu!

Wo sehen sie neue Wege in der Verknüpfung von mobiler und stationärer Nahversorgung?

Christina Pfeiffer: Sehr gespannt bin ich auf die erste MarktTreff-Kooperation, die sich zwischen zwei Standorten am Nord-Ostsee-Kanal – Borgstedt und Sehestedt – anbahnt. Zudem sind wir dabei, neue Ansätze und Techniken bundesweit auf ihre Umsetzbarkeit zu prüfen, um den sinnvollen schleswig-holsteinischen Weg vorantreiben zu können – ohne dabei den sozialen Fokus der MarktTreffs aus den Augen zu verlieren.

 

Mit 36 Standorten schon einiges erreicht. Wie erleben sie das Interesse für neue Standorte?

Christina Pfeiffer: Ich werte es als klares Zeichen für den Erfolg der MarktTreff-Philosophie, dass wir aus Gemeinden des nördlichsten Bundeslandes weiter eine hohe und kontinuierliche Nachfrage haben. Es ist immer mehr Menschen in Schleswig-Holstein bewusst geworden, dass MarktTreff zwar auf eine verbindende Grundidee setzt, zugleich aber individuelle Lösungen für das eigene Dorf nicht nur zulässt, sondern sehr gezielt auf sie setzt. Auch in Zukunft werden wir neue Elemente und Ansätze in unser Modell integrieren. Denn MarktTreff bleibt ein lernendes Projekt – das ist unsere Stärke.