Fünfter Laden der „Neue Arbeit Nord -GmbH“
ist wieder ein MarktTreff

H u s b y   MT 27.07.2017 – Die Neue Arbeit Nord (NAN) ist bereits seit 2007 eine engagierte Partnerin im MarktTreff-Projekt. Jetzt hat die gemeinnützige GmbH aus Husby (Kreis Schleswig-Flensburg) einen weiteren Standort übernommen: den MarktTreff Rantrum in Nordfriesland. „Das passt sehr gut in unser Konzept, das wir als NAN mit unseren Nahversorgungsläden in schleswig-holsteinischen Dörfern verfolgen“, sagt Dieter Hildebrandt, Geschäftsführer der NAN seit 1985. „Und wir sind sehr froh, dass wir in Rantrum – unweit der Kreisstadt Husum – ein starkes Team um die zukünftige Marktleiterin Nadine Lorenzen zusammenstellen konnten, die sich um Kundinnen und Kunden in bester MarktTreff-Art kümmern werden.“

 

Damit betreibt die Neue Arbeit Nord mittlerweile fünf Ladengeschäfte, drei davon als MarktTreffs: bereits seit 2007 Brodersby, zudem Großsolt (beide Kreis Schleswig-Flensburg) und Rantrum, außerdem die TopKauf-Standorte auf Nordstrand und seit kurzem in Hattstedt (beide Nordfriesland). „Bereits vor vielen Jahren hatten wir gemeinsam mit dem MarktTreff-Projekt ein Schulungs- und Wiedereingliederungsprogramm „Selbständig in der Nahversorgung“ umgesetzt und haben so als NAN intensiv Kontakt mit dem Lebensmitteleinzelhandel bekommen", erläutert Hildebrandt. Das habe schließlich zu der Entscheidung geführt, als NAN selbst zum Ladenbetreiber zu werden. „Dies gestalten wir von Beginn an mit großer Kontinuität mit der coop, der jetzigen Supermärkte Nord, die eng mit der REWE verknüpft ist.“

 

 

 

So sei in sehr effektiver Abstimmung mit Vertriebsleiter Thomas Loch und Bürgermeister Horst Feddersen innerhalb kürzester Zeit die Übernahme des MarktTreffs Rantrum „in trockene Tücher“ gebracht worden. Schnelles Handeln sei erforderlich gewesen, da der bisherige Betreiber den Standort aufgeben musste. „Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass MarktTreff-Gemeinden eben sehr engagiert und innovativ sind – etwas, was wir als NAN auch aus den anderen Standorten sehr zu schätzen wissen.“

 

Die „Neue Arbeit Nord -GmbH“ wurde 1985 auf Initiative von Dieter Hildebrandt als Arbeits- und Berufsförderungs-Gesellschaft gegründet. Zu den heutigen Geschäftsfeldern zählen Lebensmittelgeschäfte in Dörfern, Möbel-Projekte in den Kreisen Nordfriesland und Schleswig-Flensburg, Grünarbeiten für Gemeinden und technische Dienstleistungen auf Werkvertragsbasis. So arbeite die NAN bereits seit 1996 mit der Krones AG in Flensburg zusammen, dem Hersteller von Anlagen für die Abfüllung und Verpackung von Getränken und flüssigen Nahrungsmitteln. „Der Reiz, sich im Bereich der Dprfläden zu engagieren, ist durch unsere Grundhaltung als NAN zu erklären“, betont der 63-jährige Geschäftsführer. „Die Verbindung von arbeitsmarktlichen Interessen mit der Schaffung von Arbeitsplätzen in ländlichen Räumen zählen zu unseren Wurzeln. Hinzu kommt, dass wir uns gern den strukturpolitischen Herausforderungen stellen, so auch, wenn es um den Erhalt oder das Etablieren von Nahversorgung in kleinen Orten geht.“

 

Rantrum zählt mit seinen rund 400 Quadratmeter Ladenfläche zu den drei größeren Dorfläden, die die NAN jetzt betreibt. Dieter Hildebrandt: „Das Besondere an diesem MarktTreff ist, dass er als Neubau zeitgemäßes Einkaufen mit besten Treff- und Austauschmöglichkeiten unter einem Dach vereint. Das wollen wir gern noch weiter ausbauen und zu einem vielfältigen Einkaufserlebnis auf dem Dorf entwickeln.“ Mit dem neu zusammengestellten Team im Laden („alle aus der unmittelbaren Region, bis auf einen Mann alles Frauen“), ist sich der NAN-Geschäftsführer sicher, werde dies gelingen. 


MarktTreff-Jahresgespräche: Ein Modellprojekt –
auch wenn es mal schwierig wird

K i e l  MT 22.06.2017 – MarktTreff sichert in mehr als 35 Gemeinden die wohnortnahe Versorgung und stärkt die Lebensqualität in den ländlichen Räumen Schleswig-Holsteins. Die jährlichen Besuche des Beraterteams der ews group und der BBE Handelsberatung haben wieder eine Reihe interessanter Neuerungen zutage gefördert. In vielen Einzelgesprächen wurden mit Betreibern, Bürgermeistern und Ehrenamtlern die wirtschaftliche Lage und die Zufriedenheit vor Ort ermittelt und diskutiert. „Wie sich frühere Krisenstandorte in Erfolgsgeschichten wandeln können, ist wirklich beeindruckend“, resümiert Jürgen Blucha, Referatsleiter im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR), die Ergebnisse.

 

Strahlende Gesichter in Kirchbarkau (Kreis Plön) nach dem Neuanfang vor rund einem Jahr: „Für uns ist die Gründung der Bürgergenossenschaft genau die richtige Entscheidung gewesen“, beginnt Frank Jedicke, einer der Genossenschaftsvorstände seinen Ergebnisbericht. Mittlerweile habe man 172 Genossen, davon kämen ein Drittel aus dem Umland. „Deshalb heißt unser Laden jetzt ‚MarktTreff Barkauer Land‘.“ Nach einer energetischen Sanierung, einem barrierefreien Umbau und einer umfassenden Sortimentsüberarbeitung seien heute alle froh und zufrieden: „Aber der wichtigste Erfolgsfaktor sind das Team und unsere Ladenleiterin Dagmar Thiele-Gliesche.“ Ohne sie hätte der erfolgreiche Neustart nicht so geklappt. Die Gründungsphase der Genossenschaft sei ein zäher Prozess gewesen, hier sei etwas weniger Bürokratie wünschenswert. „Wir planen bereits weiter für die Zukunft: ein E-Lieferfahrzeug steht auf unserer Liste ganz oben“, ergänzt Jedicke.

 

 

 

St. Margarethen im Kreis Steinburg überzeugt ebenfalls mit Neuerungen. Aus dem ehemals verwinkelten Laden ist ein Schmuckstück geworden. Dabei hieß es vor zwei Jahren noch: „Wir müssen unseren Ortskern fit machen für die Zukunft.“ Bürgermeister Volker Bolten sieht dieses Ziel jetzt erreicht: „Schauen Sie sich um. Der Laden strahlt Frische aus, der Bäcker mit Treffecke ist integriert, wir bieten den Kunden und Besuchern frei zugängliches WLAN. Mehr Parkplätze, eine E-Tankstelle – dank der Fördermittel des Landes haben wir alles planmäßig umgesetzt.“ Und der Ortskern sei mittlerweile dabei, noch weitere Dienstleister anzuziehen.

 

Zufrieden mit der Entwicklung ist man ebenfalls in Probsteierhagen (Kreis Plön). Hier ist das Konzept verändert worden, der Treffbereich jetzt im Laden angesiedelt. Die neue Betreiberin Iris Köpke berichtet über regelmäßige Treffrunden: „Besonders unsere älteren Kundinnen und Kunden verabreden sich zum Kaffee und freuen sich über den neuen Ausblick.“ Familie Köpke hat vor zwei Jahren den Laden übernommen und zieht mit Qualität, Frische, Service und Freundlichkeit die Kunden aus der Gemeinde und dem Umland an. Die örtlichen Vereine kaufen im MarktTreff und Iris Köpke engagiert sich zudem im Vorstand des Gewerbevereins. Rolf Timm, Vorsitzender des Finanzausschusses, schmunzelt beim Blick auf die Zahlen: „Endlich haben wir eine stabile bis gute Entwicklung. Wir sind froh über unsere Kaufleute im Ort. Gerade erschließt die Gemeinde ein neues Baugebiet für insgesamt rund 500 neue Bürger.“ Da sei die wohnortnahe Versorgung ein wichtiges Ansiedlungs- und Verkaufsargument. Ein wenig Sorgen bereitet Timm allenfalls die Übernahme der coop durch die REWE. „Wir hoffen, dass sich für uns Gemeinden dadurch nichts ändert.“

 

In Borgstedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) wurde mehrere Jahre auf den Startschuss zu MarktTreff gewartet. Jetzt ist die Förderung genehmigt und bis zum Herbst soll ein kombiniertes Modell von stationärer und mobiler Versorgung realisiert werden. Jürgen Blucha aus dem MELUR sieht hier ein kluges Beispiel für die Zukunft: „Unser Ziel ist die verstärkte Förderung kombinierter Versorgungsangebote. Deshalb sehen wir Borgstedt als Piloten.“ Manchmal müsse man Ruhe bewahren und einer neuen Entwicklung die nötige Zeit lassen.

 

„MarktTreff zeichnet sich mittlerweile aus durch diese Widerstandkraft", ergänzt Projektmanager Ingwer Seelhoff (ews group) für das landesweite Beraterteam. In Kasseedorf (Kreis Ostholstein) habe ein kombinierter Onlinehandel mit Laden für Wohnartikel in den einstigen Verkaufsräumen eröffnet. Das sei zwar keine Nahversorgung, aber belebe das Haus und die Ortsmitte. Insgesamt sei das MarktTreff-Projektteam zufrieden mit den Ergebnissen der diesjährigen Bereisung. Natürlich würde es auch Standorte geben, die neue Betreiber suchten, aber an vielen Standorten sei alles auf einem guten Weg.

 

Die wirtschaftliche Entwicklung im Berichtszeitraum des Jahres 2016 spiegelt sich in Zahlen so wider: 14 zeichneten sich im Jahr 2016 durch ein stabiles Ergebnis aus, neun Betreiber erzielten sogar eine Steigerung bei Umsatz und Ertrag. In einer Phase des Auf- und Umbruchs sind zehn Standorte, da sie derzeit ihren Betrieb starten oder neu ausrichten. In kritischer Lage sind drei Standorte. Die Gemeinde Munkbrarup (Kreis Schleswig-Flensburg) hat ihr ehemaliges MarktTreff-Gebäude verkauft – einst soziales Vorzeigeprojekt mit intensiver Jugendarbeit, ist hier die Fortsetzung eines MarktTreffs noch ungeklärt.

 

Während die Bereisung 2016 stark unter dem Einfluss der Flüchtlingsthematik stattfand, hat sich die Lage 2017 an vielen Standorten normalisiert: „Wir sind dabei, unsere neuen Mitbürger zu integrieren. Ein fester Helferstamm kümmert sich weiter um die Familien“, hieß es dazu beispielsweise in Probsteierhagen.